Leitkultur oder Leidkultur?

Gedanken zur Schule, in der ich über 40 Jahre zugange war

Im Allgemeinen

Erste Stunde Englisch rein, Shakespeare sein
Zweite Stunde Englisch raus, Mathe rein, Pythagoras sein
Dritte Stunde Mathe raus und Kunst hinein, Kreator sein
Pause, Pause, ……….,
Vierte Stunde Reli rein, ethisch und ganz lieb jetzt sein
Fünfte Stunde Reli raus und Physik rein, Einstein sein
Sechste Stunde Physik raus und Deutsch hinein, Klein-Goethe sein
Schule aus und zu Haus – 
Kann ich jetzt ich sein?- 
„Räum doch endlich mal dein Zimmer auf!“

Ich forderte für mich so etwas wie Narrenfreiheit, die benötigt keine pädagogische Legitimation. Ein Narr darf alles sagen und auch tun, solange es den Oberen oder den Anderen nicht zuwider ist. Dann allerdings droht der Henker.
( Auszüge aus dienstlichen Beurteilungen: Bsp.1: „…ist Herr Holleber ein zuverlässiger Lehrer, der Termine pünktlich wahrnimmt, eigene, Schüler- und Kollegeninteressen offen vertritt und mit der Schulleitung loyal zusammenarbeitet… Insgesamt können wir …ein „sehr gutes“ Dienstzeugnis ausstellen.“
Bsp.2: „…Von der Schulleitung gesetzte Termine beachtet er nicht….Da Herr Holleber auch keinerlei Bereitschaft zeigt, mit der Schulleitung zu kooperieren, und sein äußeres Erscheinungsbild wenig geeignet erscheint für eine Schule mit ländlichem Einzugsgebiet, halte ich eine Versetzung an eine andere Schule für dringend erforderlich.“) 
Ich bin ein Sprücheklopfer: 
Letztlich versuchte ich nur zwei Dinge weiterzugeben an mich und andere:

Respekt und Durst
Respekt vor Andersartigkeit und Durst nach mehr…

… und das immer wieder und möglichst täglich.

Für die Lehrenden: Auch in Deutschland dringt nichts aus Köpfen, die zugenagelt sind.
Für die Lernenden: Auch in Deutschland dringt nichts in Köpfe, die zugenagelt sind.
Für alle: 

If a thing is not worth to be repeated many times, 
it doesn´t cast a shadow ( aus Südafrika )



Traditionen …

 

 




weitergeben heißt … 









das Feuer weiterreichen… 










nicht die Asche anbeten.

Letztendlich lerne ich, was ich selbst herausfinde, deshalb ist Erfahrung, was man erlangt, wenn man sie hätte brauchen können.

Wenigstens einmal in jeder Unterrichtsstunde herzlich lachen, mit allen.

Denken schadet nicht

Scheitern als Chance

Nur Barrieren, die ich überwinde, bringen mich weiter. Wenn genügend Platz vorhanden, kann ich auch seitlich daran vorbei gehen.

 
Wo kämen wir hin, 
wenn alle sagten, 
wo kämen wir hin 
und keiner ginge 
um zu sehen, 
wohin wir kämen, 
wenn wir gingen.
Kurt Marti

Wanderer, es gibt keinen Weg, der Weg bahnt sich im Gehen.
(Caminante, no hay camino, Se hace camino al andar/
Antonio Machato)

Weisheit der Dakota:

Wenn Du entdeckt hast, dass Du ein totes Pferd reitest, steig ab.

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Wir sind Weltmeister im Müll sortieren und im Kinder sortieren.

A.Hinz ehem.Rektor
der Bodenseeschule

Im Besonderen: Musik 
„If you can walk- you can dance, if you can talk- you can sing“ (Zimbabwe)

Musik ist eine Muttersprache. Erst kann ich sie hören und sprechen, und was ich sage, wird verstanden. Dann erfahre ich vielleicht, dass es auch hier so etwas wie Satzbau und grammatische Regeln gibt und mache sie mir zu eigen. Zwingend notwendig ist das jedoch nicht.

Nie habe ich mit SchülerInnen ein Lied musiziert um z.B. den Auftakt oder äolisch Moll kennen zu lernen. Diese „um zu“-Haltung der Pädagogik ist mir wesensfremd und sie ist der Tod der Musik.

Singen ist eine Kulturtechnik, genau wie Lesen, Schreiben, Rechnen. Deshalb muss dem Singen ebensolche Aufmerksamkeit zukommen wie es für die anderen Bereiche selbstverständlich ist.

Was Musikunterricht für jedes Kind, für jeden Jugendlichen leisten muss: zusammen spielen.
Wenn wir dann auch noch zusammenspielen, erhalten wir die höheren Weihen. 
Das Erstere ist ein Muss, das Letztere ein Genuss.

Im Besonderen: Deutsch

Sprache als etwas Faszinierendes, Spannendes, Gestaltendes möglich machen: das war mein Job.

In der Sprache findest du deinen persönlichen, ureigenen Ausdruck. 
Deshalb lerne sie richtig zu gebrauchen, damit der Eindruck deiner Person gerecht wird.

Jeder trägt ein Gedicht in sich. Ich will helfen es zu finden.

Lesen gefährdet die Dummheit 
( Werbetext eines Verlages )